Symposium

• Di 18 – Mi 19 04 2017 •
The Extreme Centre – Über die Zukunft der Politik in populistischen Zeiten

Mit TARIQ ALI, TERESA FORCADES, ÁGNES HELLER, SREĆKO HORVAT, SASKIA SASSEN, ANDREAS SPEIT
Moderiert von Margarita Tsomou (18.4.) und GEORG RESTLE (19.4.)

Ort: Volksbühne am Rudolfplatz, Aachener Str. 5, 50674 Köln
8 € Tagesticket / 5 € ermäßigt / 4 € ermäßigt für Gruppen ab 10 Personen

Kartenvorbestellung wird empfohlen. Reservierung per Mail bis zum 11.4. unter symposium17@academycologne.org.
Abendkasse an den Veranstaltungstagen ab 16:00. Gruppentickets nur mit vorheriger Reservierung.

In englischer Sprache mit deutscher Übersetzung

In der Politik kommt es derzeit weltweit zu tektonischen Verschiebungen. Das für die Epoche des Neoliberalismus charakteristische ständige Hin und Her zwischen Mitte-links und Mitte-rechts ist vorbei. Sorgte der Kapitalismus nach dem Zweiten Weltkrieg mit der Schaffung des „Wohlfahrtsstaates“ noch für eine Eindämmung von Fremdenhass und Nationalismus, so ist offensichtlich, dass der Kapitalismus die Demokratie heute nicht mehr benötigt. Maßnahmen, die bis vor Kurzem nur von Ultrarechten befürwortet wurden, werden nun von einem politischen Establishment umgesetzt, das sich einst der Mäßigung verpflichtet hatte. Die politischen Kategorien „rechts“ und „links“ sind nicht mehr belastbar, und die Mitte ist selbst extrem geworden, wie der Titel von Tariq Alis neuestem Buch nahelegt. Was bedeutet diese Entwicklung für Politik, Gesellschaft und Kultur? Gibt es irgendeine Möglichkeit, die Begriffe „rechts“ und „links“ wiederherzustellen, nachdem ein radikalisierter Zentrismus den Begriff der Politik an sich beseitigt hat? Gesellschaftstheoretiker, Philosophen und Aktivisten beteiligen sich an einer zweitägigen Konferenz, um die Hegemonie der „extremen Mitte” zu diskutieren, die sich im Laufe der letzten Jahre herausgebildet hat. Sie untersuchen die Ursachen für den Zusammenbruch bzw. die Implosion politischer Kulturen sowohl in als auch außerhalb Europas und fragen danach, was das für die Zukunft von Politik bedeuten könnte.

DI 18 4 2017 / 17:30

ÁGNES HELLER ist eine ungarische Philosophin und Holocaust-Überlebende. Sie war eine der Schlüsselfiguren der Budapester Schule, eines vom Philosophen Georg Lukács in den frühen 1960er-Jahren gegründeten Forums zur Erneuerung der marxistischen Kritik angesichts des in Ungarn real existierenden Sozialismus. Heller emigrierte 1986 nach New York, wo sie im selben Jahr Hannah Arendts Nachfolgerin am Lehrstuhl für Philosophie an der New School for Social Research wurde. Sie ist Autorin zahlreicher einflussreicher Bücher, darunter Das Alltagsleben (Suhrkamp 1981), Theorie der Bedürfnisse bei Marx (Vsa 1987) und Ist die Moderne lebensfähig? (Campus 1995). Zuletzt erschien der Band Von der Utopie zur Dystopie: Was können wir uns wünschen? (Edition Konturen 2016). Heller lebt in New York und Budapest.

SREĆKO HORVAT ist ein Philosoph und Aktivist, der zu den zentralen Figuren der Neuen Linken im ehemaligen Jugoslawien zählt. Er hat zahlreiche Bücher veröffentlicht, darunter zuletzt Subversion! (Zero Books 2017), The Radicality of Love (Polity 2015) und gemeinsam mit Slavoj Žižek What Does Europe Want? (Columbia University Press 2014). Zusammen mit Yannis Varoufakis gehört er zu den Initiatoren des Democracy in Europe Movement 2025 (DiEM 2025). Horvat ist Ko-Kurator des Symposiums The Extreme Centre und als Fellow der Akademie der Künste der Welt im April/Mai 2017 in Köln zu Gast. Er lebt und arbeitet in Zagreb.

Die Soziologin und Wirtschaftswissenschaftlerin SASKIA SASSEN wurde in den 1980er- und 1990er-Jahren zur wichtigsten Autorin der Stadtsoziologie und prägte den Begriff der „global city“. Ihre Arbeiten befassen sich mit den Auswirkungen von Globalisierung und ökonomischer Umstrukturierung auf das städtische Leben. Sassen hat zahlreiche Bücher verfasst, die in mehr als 20 Sprachen übersetzt wurden. Zuletzt sind von ihr erschienen Ausgrenzungen: Brutalität und Komplexität in der globalen Wirtschaft (S. Fischer 2015), Cities in a World Economy (Sage 2012) und Das Paradox des Nationalen: Territorium, Autorität und Rechte im globalen Zeitalter (Suhrkamp 2008). Saskia Sassen hat die Robert S. Lynd-Professur für Soziologie an der Columbia University, New York, inne.

MARGARITA TSOMOU arbeitet als Autorin, Dramaturgin, Kulturschaffende und Kuratorin. Sie ist eine der Herausgeberinnen des Missy Magazine – Magazin für Pop, Politik und Feminismus. Sie lebt in Berlin.

MI 19 4 2017 / 18:00

TARIQ ALI ist Autor, Historiker und Filmemacher. Er gilt als eine der wichtigsten Stimmen der europäischen Linken. Ali ist Mitgründer und -herausgeber der New Left Review und schreibt zudem regelmäßig für den Guardian und die London Review of Books. Er ist ein konsequenter Kritiker der US-Dominanz im Mittleren und Nahen Osten, eindrücklich belegt in seinen Büchern Bush in Babylon. Die Re-Kolonisierung des Irak (2003) und Das Obama-Syndrom: Leere Versprechungen, Krisen und Kriege (2010). Mit seinem neuesten Buch, The Extreme Centre: A Warning (2015), kritisiert er die politische Elite Großbritanniens aufgrund ihrer Ergebenheit gegenüber dem immer radikaleren neoliberalen Kapitalismus. Er lebt und arbeitet in London.

TERESA FORCADES I VILA ist Ärztin und promovierte Theologin. Nach einem Studium der Medizin in Barcelona und New York sowie der Theologie in Harvard trat sie 1997 dem Orden der Benediktinerinnen bei. Forcades ist eine vehemente Kritikerin der Pharmaindustrie und steht insbesondere der Medikalisierung der Gesellschaft kritisch gegenüber. Als Theologin setzt sich für die Stärkung der Rechte von Homosexuellen und Frauen ein, auch innerhalb der katholischen Kirche. In ihren zahlreichen Vorträgen und Diskussionsbeiträgen macht sie sich u. a. stark für die direkte Demokratie und fordert eine gerechtere Verteilung der Güter. Forcades gilt als eine der einflussreichsten Stimmen der intellektuellen Linken in Europa.

ANDREAS SPEIT ist ein Journalist und Autor, der sich auf die Themen Rechtsextremismus und Neonazismus in Deutschland spezialisiert hat. Seit 1991 schreibt er für die taz regelmäßig über rechte Esoterik, intellektuellen Rechtsextremismus und Deutsch-Nationalismus. Er ist Autor und Mitautor zahlreicher Bücher über Neonazi- und rechtspopulistische Bewegungen in Deutschland. Sein neuestes Buch, Bürgerliche Scharfmacher. Deutschlands neue rechte Mitte – von AfD bis Pegida (Orell Füssli 2016), untersucht die Wurzeln der Neuen Rechten im Zentrum des politischen Establishments. Speit lebt in Hamburg.

Der Journalist GEORG RESTLE leitet und moderiert seit 2012 das Politmagazin Monitor im Ersten Deutschen Fernsehen. Er lebt in Köln.

Im Rahmen von The Extreme Centre lädt die Akademie erstmalig 25 Studierende aus ganz Europa ein, zwei Tage lang an einem intensiven Workshop in Köln sowie am Symposium teilzunehmen. Dozent des Workshops ist MORITZ VON STETTEN, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Kultursoziologie der Universität Bonn. Zuständige Projektreferentin ist NINA PASZKOWSKI.