• Fr 25 10 – Di 31 12 2019 •
Floraphilia Revolution of Plants


Kuratiert von ANETA ROSTKOWSKA

Ausstellungsdesign von MATEUSZ OKOŃSKI

Mit AGENCY OF SINGULAR INVESTIGATIONS (ASI), MAGDA BUCZEK, IGOR und IVAN BUHAROV, SADDIE CHOUA, RUTH EWAN, DAGNA JAKUBOWSKA, CECYLIA MALIK, KATRIN MAYER, BIANKA ROLANDO, BEATRIZ SANTIAGO MUÑOZ und ÅSA SONJASDOTTER.

In den letzten Jahren ist die Pflanzenzucht zu einem beliebten und vor allem im Internet zur Schau gestellten Hobby anvanciert. Blogs und Social Media Kanäle sind voll von Fotos von sorgfältig arrangierten Topfpflanzen, von Texten zur Pflanzenpflege und zu Urban Gardening. Woher rührt dieses gestiegene Interesse an der domestizierten Natur? In der Rede über Lyrik und Gesellschaft argumentiert Adorno, dass der Grund für die Sakralisierung der Natur in der Entfremdung des Individuums in der kapitalistischen Gesellschaft begründet liege, die den Menschen veranlasse, einen Ort der Zuflucht zu suchen. Der Kontakt mit der Flora beruhigt, beseitigt jedoch nicht die Ursache des schlechten Geisteszustands. Ist eine solche Vorstellung von der Natur als entpolitisiertes Mittel zur Verbesserung unserer Stimmung und als perfektes Konsumobjekt die einzige, die uns zur Verfügung steht?

Die Ausstellung Floraphilia. Revolution der Pflanzen bietet einen Gegenentwurf und beleuchtet das emanzipatorisches Potential der Pflanzenwelt. Sie betrachtet Pflanzen als Inspiration für künftiges politisches Handeln. Was fasziniert ist die Belastbarkeit der Flora, ihre Anpassungs- und Kommunikationsfähigkeit und ihre Gleichgültigkeit gegenüber jeglichen nationalstaatlichen Grenzen. Die gemeingültige Vorstellung von der Pflanze als Ding, das nur auf einfache Reize reagiert, wird so in Frage gestellt: Die Pflanze wird aus ihrer niederen Position in der Hierarchie der Spezies befreit und als Wesen begriffen, das – dynamisch, atmend und wachsend – Intentionalität und Erinnerung besitzt. Der Raum der Biennale Warschau verwandelt sich so schließlich in das Labor einer kommenden Revolution, die auf einen speziesübergreifenden Austausch baut.

Die einzigartige Austellungsarchitektur unterstreicht die in den Kunstwerken thematisierten rituellen, gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Fragen und hebt auf die Notwendigkeit ab, über eine bloße Instrumentalisierung der Natur hinauszugehen. Religiöse oder schamanische Vorstellungen von der Flora greifen nahtlos in Erkenntnise der modernen Wissenschaft, die zeigen, dass Pflanzen viel komplexere Organismen sind als gemeinhin gedacht. Die Ausstellungsgestaltung lädt darüber hinaus zum Verweilen im Ausstellungsraum ein und versucht so, eine alternative Zeitlichkeit zu schaffen, die näher an der sich langsam entwickelnden Welt der Pflanzen ist.

Zu sehen ist außerdem eine Sonderausgabe des SURPLUS-Projekts. Auf der Suche nach neuen semantischen Fetischen, die die Welt der Flora betreffen, erforscht die Künstlerin Magda Buczek Diskurse, Lifestyle-Trends und moderne Ökologien.


Freier Eintritt
Öffnungszeiten: Di-So 12:00-20:00
Ort: Biennale Warschau, Ul. Marszałkowska 34/50, 00-560 Warschau, Polen


Eine Ausstellung im Rahmen des Projekts Floraphilia. Über die Verflechtungen von Pflanzenwelt, Botanik und Kolonialismus.

In Kooperation mit der Biennale Warszawa
Gefördert von der Kulturstiftung des Bundes