Filmvorführung + Diskussion

• Fr 19 06 2020 •
In Solidarity


Film: Goodbye My Love, North Korea von SOYOUNG KIM
Diskussion mit SOYOUNG KIM, OLIVIER MARBOEUF, MAXA ZOLLER

‚Herkunft‘ wird der Ort genannt, an dem man zur Welt kommt. Doch wie bezeichnet man den Ort, an dem man stirbt? Mit diesen Fragen eröffnet der Film Goodbye My Love, North Korea (2019) der südkoreanischen Filmemacherin Soyoung Kim. Im Mittelpunkt stehen acht nordkoreanischen Filmemacher, die im Jahr 1952 für einen solidarischen Austausch zum Studieren nach Moskau reisen. Nachdem sie politisch gegen den Machthaber Kim Il-sung Stellung bezogen haben, müssen die Männer 1958 in der Sowjetunion politisches Asyl beantragen. Sie gründen die Gruppe 8-Jin (Paljin), was übersetzt etwa ‚die aufrichtigen Acht‘ bedeutet. Ihr Gruppenzeichen, das einige sogar als Nachnamen eintragen lassen, ist fortan das chinesische Schriftzeichen für Wahrheit – 眞.

Vor dem Hintergrund der Geschichte Koreas und des Kalten Krieges spürt der Film den Lebensereignissen der acht Männer nach und erzählt zugleich eine Geschichte von politischem Widerstand und Solidarität. Die Regisseurin Soyoung Kim verwendet dazu unterschiedliche dokumentarische Mittel. Eindrucksvolle Landschaftsaufnahmen von Zentralasien, historische Filmausschnitte und Nachstellungen wechseln sich ab mit Interviewaufnahmen von den zwei noch lebenden Gruppenmitgliedern, dem Kameramann Jong-hun Kim (Jin Kim) und dem Regisseur Kuk-in Choi (Jin Choi) sowie Zinida Ivanova, der Witwe des Schriftstellers Dae-yong Han (Jin Han). Sie erzählen engagiert und manchmal humorvoll über die ersten Jahre in der Sowjetunion und ihr Leben und Schaffen im Exil. Entlang ihrer Erlebnisse und Erfahrungen verhandelt der Film die geopolitischen Machtverhältnisse zwischen Nord- und Südkorea, Japan, der UdSSR und den USA. Gleichzeitig zeigt er das Ringen um politische Handlungsfähigkeit und den solidarischen Austausch unter Kulturschaffenden.

Im Anschluss an die Filmvorführung diskutieren die Filmemacherin Soyoung Kim, der Autor und Kurator Olivier Marboeuf und die Leiterin des Internationalen Frauenfilmfestivals Dortmund | Köln Maxa Zoller über die Bedeutung und Möglichkeit solidarischen Handelns im Kulturbetrieb.

Goodbye My Love, North Korea (KOR, 2019), 89 min
Sprachen: Koreanisch und Russisch mit englischen Untertiteln

Beginn: tba
Ort: Filmclub 813, Hahnenstraße 6, 50667 Köln
Freier Eintritt