• Di 15 09 2020 – So 28 03 2021 •
Geister, Spuren, Echos: Arbeiten in Schichten


Arbeit produziert nicht nur Güter, sondern auch Land, Gemeinschaften, Biografien, Vermächtnisse, Handlungen, Sehnsüchte und Werte. Nordrhein-Westfalen und insbesondere das Ruhrgebiet wurden historisch durch Industrialisierung, massive Urbanisierung, De-Industrialisierung und die spätere Revitalisierung von Industrieflächen geprägt. Migration, demografische Pluralität, Widerstand der Bevölkerung und postindustrielle Melancholie sind wesentliche Bestandteile der regionalen Kulturgeschichte. Dazwischen gibt es Vergessenes und Verschleiertes, Übersehenes und Marginalisiertes.

Geister, Spuren, Echos: Arbeiten in Schichten vereint forschungsbasierte künstlerische Arbeiten zu unterschiedlichen Geschichten über Arbeit – in Köln und im Ruhrgebiet. Das Projekt rückt erlebte Geschichte(n) in den Vordergrund, die von der klassischen Geschichtsschreibung bisher in den Hintergrund gedrängt wurden. Es bringt Geister, Spuren und Echos vergangener Jahrzehnte in die Realitäten und Erfahrungen von heute, um neue Zukunftsvisionen denkbar werden zu lassen.

Das Projekt lässt die Forschungsinhalte der Beteiligten sichtbar werden und verbindet künstlerische Produktionen, Archivinitiativen, Gespräche, Ausstellungen, Führungen und Workshops miteinander. In Zusammenarbeit mit lokalen Geschichtsinitiativen, einem Industriemuseum, nichtstaatlichen Archiven und kollektiven Erinnerungsprojekten sowie mit einer Reihe von Künstler*innen und Sozialwissenschaftler*innen entfaltet es sich von November 2020 bis März 2021 Schicht für Schicht – in Anlehnung an den Rhythmus industrieller Produktion.

Die von Eva Busch und Madhusree Dutta kuratierte Ausstellung Geister, Spuren, Echos: Arbeiten in Schichten spannt einen Bogen vom späten 20. Jahrhundert bis zur heutigen Pandemie. Geschichten aus der Vergangenheit werden mit aktuellen Bildern in Beziehung gesetzt. Drei Projektrecherchen präsentieren sich in drei Schichten in einer wachsenden Ausstellung. Neue Ebenen kommen im Lauf der Zeit hinzu, andere verschwinden: zunächst Geschichten über Geister im November 2020, dann Karten von Spuren im Dezember 2020 und Lieder als Echos im Januar 2021.

Die Ausstellung geht der Frage nach, wie sich Arbeitskonzepte in den jeweiligen historischen und künstlerischen Zusammenhängen manifestieren und über Zeit und Raum hinweg miteinander verschränken lassen. Welche Geister, Spuren und Echos beeinflussen das, was wir heute unter ‚Arbeit‘ verstehen?

Ähnlich einem Palimpsest verbinden sich die einzelnen Projekte zu einem Narrativ aus sich überlagernden Zeitebenen und Realitäten. So werden etwa Erzählungen und Bilder einer Hattinger Frauengruppe, die in Gespensterkostümen gegen die Schließung des lokalen Stahlwerks Henrichshütte demonstrierte, mit Formen plattformkapitalistischer ‚ghost work‘, die doch reale Körper und deren Arbeitskraft beansprucht, zusammengebracht.

In einem eigens für die Ausstellung konzipierten Miniatur-Kinoraum wird das von Madhusree Dutta kuratierte sechsteilige Kinoprogramm Film-Work gezeigt. Die filmischen Erzählungen umspannen unterschiedliche geografische Kontexte und Zeiten; sie drehen sich um Körper, Orte, Konventionen, Infrastrukturen, Gefühle, Strategien sozialer Arbeitsproduktion sowie um die kulturellen Dimensionen unseres auf Arbeit ausgerichteten Lebens. Während sich die Ausstellung Geschichten aus Köln und dem Ruhrgebiet widmet, eröffnet das Filmprogramm Perspektiven auf andere Orte, Genres, Zeiten und Formate.

Auch das Veranstaltungsprogramm öffnet die Themen der Ausstellung hin zu weiterführenden Fragen und geografischen Kontexten: offene Führungen mit den Kuratorinnen, eine Lecture Performance, eine Fahrradtour durch Köln oder ein mehrtägiger Workshop mit Arts of the Working Class bieten Möglichkeiten für intensive Reflexionen und Diskussionen.

Schauen wir sie uns an, die Geister, Spuren und Echos der Arbeit im Spätkapitalismus! Vielleicht helfen sie uns, die Gegenwart besser zu verstehen und hegemoniale Bilder zu verwerfen. Können Geschichten über das gerade noch Wahrnehmbare, das Übriggebliebene helfen, uns für noch unbekannte Zukünfte zu wappnen?

In Kooperation mit RVR/Interkultur Ruhr und dem LWL-Industriemuseum – Westfälisches Landesmuseum für Industriekultur.