Soft Opening

• Fr 11 12 2020 / 14:00 – 21:00 •
Geister, SPUREN, Echos: Arbeiten in Schichten


von ANATOLPOLITAN (IREM KURT, NESRIN TANÇ) mit LÜTFIYE GÜZEL, EMINE SEVGI ÖZDAMAR
kuratiert von EVA BUSCH, MADHUSREE DUTTA

Viele Ereignisse aus der Vergangenheit werden, obwohl sie Spuren hinterlassen haben, von großen Erzählungen überdeckt. Schicht 2 Spuren widmet sich Literat*innen, die in Köln und dem Ruhrgebiet tätig waren, in der regionalen Kunst- und Kulturgeschichtsschreibung jedoch kaum wahrgenommen werden, und befragt deren Erinnerung in unserer postmigrantischen Gegenwart.

Die Literatur-, Kulturwissenschaftlerin und Autorin Nesrin Tanç begibt sich auf Spurensuche, mittels Ausgraben, genauem Hinschauen, Extrahieren, neu Kombinieren, Kartieren – und Archivieren. Die Verwahrung des kulturellen Erbes von Immigrant*innen aus der Türkei, die in großen Teilen über Anwerbeabkommen als Arbeiter*innen in die Region kamen, ist zentrales Thema ihrer Projekte. Unter dem Label Anatolpolitan und als Agentur Ausländerrauş trägt sie Spuren von bisher Verschwiegenem zusammen und arbeiten auf eine Kulturgeschichtsschreibung einer pluralistischen Gesellschaft hin.

In den vergangenen Monaten hat Nesrin Tanç in Duisburg einen Archivraum eingerichtet, in dem ein Bestand dieser Kulturgeschichte der Immigrant*innen aus Anatolien im Ruhrgebiet zusammengetragen und in unterschiedlichen Konstellationen künstlerisch verhandelt wird. Ein Beispiel ist die Literaturzeitschrift dergi/die Zeitschrift, die seit 1986 alle zwei Monate erschien, herausgegeben von einem Literaturkreis aus Duisburg. Einen Großteil der Materialien fand Tanç in Privathäusern, jenseits offizieller Archivstrukturen. Sie zeugen von einer verflochtenen Kulturgeschichte.

Ihre langjährige wissenschaftliche, oft kollaborative künstlerische und kulturaktivistische Recherchearbeit bringt Tanç für die Akademie der Künste der Welt in eine installative Anordnung, die in Zusammenarbeit mit der Illustratorin Irem Kurt entstanden ist. Die verschiedenen Elemente ergeben eine Art offenen Raum: ein Haus, das es nicht gibt. Ein Archiv, in dem die Spuren türkisch-, kurdisch-, armenisch-, oder griechischsprachiger Literat*innen gesammelt werden, als fragile Konstruktion, durchlässig, einladend und vielleicht erst im Entstehen – literaturwissenschaftliche, künstlerische, Erinnerungsarbeit als Hausbau.

Zentrales Element ist eine mehrschichtige Literaturkarte, die den Rhein entlang Duisburg und Köln verbindet und Teile der Recherche geografisch verortet. Diese erzeugt wie die Literatur selbst oft mehrsprachige, translokale Räume. Die Karten sind in Schichten angelegt und zeigen neben den Inhalten literarischer Texte auch relevante Institutionen und Initiativen.

Emine Sevgi Özdamars Stück Perikızı: Ein Traumspiel bildet den erzählerischen Rahmen und diente als Grundlage für Nesrin Tançs Recherchen. Akkordarbeit im halb verbrannten Wald ist der Titel des fünften Kapitels ihrer Adaption von Homers Odyssee. Bezogen auf regionalhistorische Mythen wie die der Bergarbeiter*innen im Ruhrgebiet, auf regionalen Strukturwandel und Globalisierung verhandelt Özdamars Perikızı 'Arbeit' als intellektuelle Leistung. Lütfiye Güzel ist mit Texten aus ihrem Buch Oh No. vertreten, die 2018 in ihrer Zeit als Stadtschreiberin in Köln entstanden, sowie mit Gedichten aus ihren im Selbstverlag veröffentlichten Bänden elle-rebelle und sans trophée. In der Ausstellung sind Ausschnitte aus den Werken beider Autorinnen zu hören.

Öffnungszeiten: Fr–So | 14:00–19:00 + Art Cologne: Do–So | 10:00–19:00
Ort: Academyspace, Herwarthstraße 3, 50672 Köln
Freier Eintritt

Wir freuen uns, Sie bald als Besucher*in der Ausstellung Geister, Spuren, Echos: Arbeiten in Schichten begrüßen zu dürfen. Bitte beachten Sie, dass zu Ihrem, unserem und dem Schutz anderer Besucher*innen die Einhaltung der allgemeinen Hygieneregeln und insbesondere das Tragen einer Mund- und Nasenmaske bei einem Besuch verbindlich sind. Bei Fragen können Sie uns unter +49 (0)221 337748 92 kontaktieren.

Hygienemaßnahmen als PDF


Agentur Ausländerrauş : Akkordarbeit im halb verbrannten Wald entsteht in Kooperation mit der Akademie der Künste der Welt und RVR/Interkultur Ruhr.