Vortrag und Filmvorführung

• Sa 14 10 2017 •
Wiederaneignung und Wiedergutmachung Kader Attia

18:00

Ort: studiobühneköln, Universitätsstraße 16a, 50937 Köln
Kombiticket Kader Attia und Hari Kunzru: 3 €
Kombiticket Kader Attia und Filastine & Nova: 12 €
In englischer Sprache

In seinem Vortrag gibt Kader Attia, Künstler und Akademiemitglied, Einblick in seine fortlaufende Arbeit mit Objekten, die von Traumata und traumatischen Akten der Wiederaneignung gezeichnet sind: silberner Brautschmuck, der von Partisanen im algerischen Unabhängigkeitskrieg eingeschmolzen wurde, um Kalaschnikows zu bezahlen, seltsame Artefakte aus Maschinenteilen und Patronenhülsen, die von gelangweilten Soldaten in den Schützengräben des Ersten Weltkriegs zusammengeschweißt wurden, oder nordafrikanische Popmusik aus den 60er Jahren, die Blues- und R’n’B-Elemente übernommen hat, um sie zu etwas ganz Eigenem weiterzuentwickeln. Attia spürt der Genealogie der Wiederaneignung nach – von der ersten Erwähnung des Begriffs beim anarchistischen Philosophen Pierre-Joseph Proudhon über Oswald de Andrade, den brasilianischen Theoretiker der Anthropophagie, bis hin zum antikolonialen Denken Frantz Fanons. Ausgehend davon analysiert er die weitere Entwicklung des Phänomens der Wiederaneignung bis in die Gegenwart hinein, in der Männer und Frauen instinktiv versuchen, die Freiheit zurückzuerobern, die ihnen genommen wurde. Dabei wirft er die Frage auf, ob es nicht gerade die Fähigkeit zur Nachahmung ist, die das Überleben der Menschheit ermöglicht. Auf den Vortrag folgt ein Gespräch zwischen Kader Attia und EKATERINA DEGOT.

Der Künstler Kader Attia (*1970 in Dugny, Frankreich) wuchs sowohl in Algerien als auch in einem Vorort von Paris auf. Auf der documenta 13 zeigte er die viel beachtete Installation The Repair, im Jahr 2016 erhielt er den Prix Marcel Duchamps. Attia ist Mitglied der Akademie, er lebt und arbeitet in Berlin und Algier.