Vortrag

• Fr 27 10 2017 •
Kapital und Konzepte – Imperialismus und Moderne in der postkolonialen Theorie Vivek Chibber

18:00

Ort: Alte Feuerwache, Melchiorstraße 3, 50670 Köln
Freier Eintritt
In englischer Sprache

Weitere Veranstaltungen am 27 10: Perverse Decolonization (Podiumsdiskussion) und Last Man in Dhaka Central (Filmvorführung)

Die postkoloniale Theorie dominiert momentan die akademischen Debatten. Damit ersetzt sie zum einen die marxistische Theorie, die in der politischen Linken eine Phase des Niedergangs erlebt, und sie setzt zum anderen kulturelle Spezifika an die Stelle universeller materialistischer Kritik – so lautet die provokante These des Soziologen und Theoretikers Vivek Chibber. In seinem Vortrag befragt er aktuelle, kritische Ansätze des postkolonialen Zeitalters: Welche Sprache zwingen die Kolonisierenden den Kolonisierten auf? Wie wird Protest unterdrückt? Die postkolonialen Erzählungen verlangen danach, die Rolle des Diskurses innerhalb des modernen Imperialismus zu überdenken. Doch ist dieser Diskurs wirklich so entscheidend, wie es die postkoloniale Theorie seit dem sogenannten „cultural turn“ behauptet? Und was ist dessen Verhältnis zu der Kategorie der „Rasse“? Seit Edward Saids bahnbrechendem Werk Orientalismus hat die „Rassenideologie“ in der postkolonialen Theorie eine Doppelrolle inne und wird nicht nur als Folge, sondern auch als Ursache imperialer Herrschaft angesehen. In seinem Vortrag analysiert Chibber diese Dualität und argumentiert, dass der Postkolonialismus die Rolle des Diskurses, wie sie zur Erklärung des Aufstiegs und der Dominanz des Westens herangezogen wurde, weit überbewertet hat.

Vivek Chibber (*1965 in Delhi, Indien) ist Professor für Soziologie an der New York University und Autor von Postcolonial Theory and the Specter of Capital (Verso, 2013) und Locked in Place: State-Building and Late Industrialization in India (Princeton University Press, 2006), ausgezeichnet mit dem Barrington Moore Award. Er schreibt u.a. für Socialist Register, American Journal of Sociology, Boston Review und New Left Review.