Gespräche

• Fr 13 09 2019 / 19:00 – 23:00 •
Ich, Ich Nicht, Wir Zur Verhandlung der objektiven und subjektiven Seiten unserer politischen Hybridität


Eingeführt und moderiert von MAX JORGE HINDERER CRUZ

Mit DANIELLE ALMEIDA, NELLI KAMBOURI, KARLA MENDONCA DOS SANTOS DANY, ADRIANA SCHNEIDER ALCURE, MARGARITA TSOMOU


Hybridität mag als Mischung verstanden werden, das heißt aber noch lange nicht, dass es dabei nicht auch um Asymmetrien geht. Nicht zuletzt ist Hybridität eine Frage der Perspektive. In Lateinamerika zum Beispiel dient das Konzept der Hybridität oder Mestizaje, also der vermeintlichen Vermischung oder Fusion zweier oder mehrerer Kulturen, selbst in mehrheitlich nicht-weißen Gesellschaften gewöhnlich dazu, eine Ordnung zu etablieren, die aus weißer Perspektive gedacht ist – ähnlich der deutschen ‚Leitkultur‘-Debatte, die vorgeben will, was besonders ‚deutsch‘ sei. Im Kontext (post-)kolonialer Gesellschaften kommt die Definition von Hybridität oder Mestizaje also von außen, von einer weißen eurozentrischen Hegemonie, die auch in postkolonialer Zeit fortbesteht.

Der von dem Kulturkritiker, Autor und Kurator Max Jorge Hinderer Cruz konzipierte und moderierte Abend Ich, Ich Nicht, Wir versucht sich an der Umkehrung eines solchen Verständnisses. In drei Teilen wird Hybridität nicht als Fremdzuschreibung debattiert, sondern als Selbstbestimmung performt. Die Negation einer von außen festgelegten Identität birgt dabei eine kollektive Subjektivität, die politische Wirksamkeit entfalten kann.

Der erste Teil von Ich, Ich Nicht, Wir wird von der Sängerin und Erziehungswissenschaftlerin Danielle Almeida und der Übersetzerin Karla Mendonça dos Santos Dany gestaltet. Danielle Almeida beschäftigt sich mit dem Protagonismus von Frauen in der afro-lateinamerikanischen Musik, einer hybriden nicht-weißen Form von Musik, die in Deutschland eher unbekannt ist.

Der zweite Teil wird von Adriana Schneider Alcure bestritten, Anthropologin und Professorin für Theater an der Universidade Federal do Rio de Janeiro (UFRJ) und derzeit Stipendiatin der Humboldt-Stiftung an der Universität Bonn. Ihr Interesse gilt dem Puppentheater und insbesondere dem (deutschen) Kasperletheater. In einer Art ‚Whitenography‘ (Ethnografie der weißen Kultur) liest sie den Kasperl als urdeutsche Hybridfigur aus brasilianischer Perspektive.

Im dritten Teil des Abends werden Margarita Tsomou und Nelli Kambouri die ‚Ithagenia Condition‘ diskutieren – eine Möglichkeit, jedes politische Subjekt gleichzeitig als das absolute Andere (‚Ithagenia‘ bedeutet im Griechischen so viel wie ‚Eingeborenheit‘) und das absolute Selbst (‚Ithagenia‘ wird auch als Markierung von ‚Staatsangehörigkeit‘ verwendet) zu denken. Margarita Tsomou ist Autorin, Kuratorin, Dramaturgin und Herausgeberin des pop-feministischen Missy Magazine; Nelli Kambouri forscht zu Migration, Politik und Gender.


Sprachen: Deutsch/Englisch/Portugiesisch
Abendkasse: 3€ - 8€
Ort: Alte Feuerwache Köln / Halle, Melchiorstraße 3, 50670 Köln