• Fr 06 03 – Do 23 04 2020 •
Exophony:


In den Literaturwissenschaften verweisen die Begriffe Exophonie oder Anderssprachigkeit mitunter auf Praktiken des Schreibens in einer Sprache, die vermeintlich nicht die ‚Erstsprache‘ der*des Schreibenden ist. Allerdings bleibt ein solches Konzept von Exophonie ohne die Annahme einer individuellen Original- oder Ausgangssprache bedeutungs- und nutzlos. Wie genau setzt sich diese ‚Erstprache‘ zusammen? Muss sie zwangsläufig dem Konzept einer Nationalsprache entsprechen, das durch kulturelle, pädagogische und politische Kanons und Praktiken etabliert und verstärkt wird? Oder sollten wir Sprache nicht viel eher als verkörperte, gelebte und soziale Praxis verstehen, die sich strikten Verortungen zwangsläufig entzieht?

Sprache bleibt unhintergehbar an ihre Funktion gebunden, uns eine gemeinsame Verständigung über die Welt zu ermöglichen. In diesem Sinne beleuchtet Exophony: Sprache sowohl als Sinnsystem als auch als unausweichlich kulturelle und soziale Praxis. Mit einem besonderen Fokus auf Erfahrungen von und mit Mehrsprachigkeit, Übersetzung und Übersetzbarkeit erforscht das Programm Prozesse des Schreibens, des Lesens und Hörens, Manipulationen von und durch Sprache sowie Interaktion und Kommunikation. Doch anstatt sich auf Debatten darüber einzulassen, wessen Sprach- oder Schreibpraxen ‚anders‘ oder ‚fremd‘ sind, will Exophony: zu kulturellen und künstlerischen Strategien vordringen, die das System Sprache im Sinne eines geschlossenen, statischen und selbstverständlichen Raums oder Körpers hinterfragen. Exophony: thematisiert weniger Anderssprachigkeit als vielmehr die Andersartigkeit von Sprache und veranschaulicht, dass sich diese durch fluide und plurale Praktiken immer wieder neu zusammensetzt. Wenn Exophony: diesen Gedankenkomplex in fünf Veranstaltungen umkreist, dann sind die Diskussionen, Lesungen und Performances gleichzeitig eine Aufforderung an das Publikum, nicht nur die Akte des Sprechens und Schreibens, sondern insbesondere auch jene des Zuhörens und Lesens zu reflektieren. Sprache soll nicht nur als Medium der Verständigung, sondern auch als akustische oder visuelle Komposition erfahrbar gemacht werden. Exophony: bietet die Gelegenheit, Kommunikationsstrukturen und Sprachpraktiken gemeinsam neu zu denken und die Vielgestaltigkeit und Gleichzeitigkeit einer geteilten Sprachlandschaft zu erkunden.

Die Programmreihe Exophony: wird gefördert durch die Kunststiftung NRW.