Ausstellung

• Do 08 – So 11 04 2021 •
Geister, Spuren, Echos: Arbeiten in Schichten


Bitte beachten Sie, dass für den Besuch neben einem Termin ein tagesaktueller negativer Schnelltest oder die Durchführung eines negativen Selbsttestes vor Ort erforderlich ist. Es gelten weiterhin die allgemeinen Hygiene- und Abstandregelungen.

Innerhalb unserer Öffnungszeiten von Donnerstag bis Sonntag, 14:00 bis 19:00 bieten wir zu jeder vollen Stunde einstündige Zeitfenster für einen Besuch der Ausstellung an. Pro Zeitfenster sind 5 Besucher*innen zugelassen. Eine Übersicht über die verfügbaren Zeitfenster können Sie unserer Veranstaltungsseite bei ticket.io entnehmen. Bitte reservieren Sie nur Termine, die Sie auch wirklich wahrnehmen können.

Öffnungszeiten:
Do–So | 14:00–19:00
Ort: Academyspace, Herwarthstraße 3, 50672 Köln
Freier Eintritt

von ANATOLPOLITAN, ALINE BENECKE mit FASIA JANSEN ENSEMBLE, KATHRIN EBMEIER, ABEER GUPTA, MOMENTOGRAPHY OF A FAILURE, MARKO SALAPURA
kuratiert von EVA BUSCH, MADHUSREE DUTTA

In der Ausstellung Geister, Spuren, Echos: Arbeiten in Schichten manifestieren sich im Academyspace, dem Galerieraum der Akademie der Künste der Welt, drei forschungsbasierte künstlerische Recherchen, in drei Teilen und über einen Zeitraum von fünf Monaten. Die Ausstellung wird so zu einer dynamischen Sammlung verschiedener Schichten und Geschichten, ähnlich einem Palimpsest. Wird die nächste Schicht hinzugefügt, verschwinden die vorherigen nicht in Gänze – neue Erzählungen kommen hinzu. Auf diese Weise ergeben sich Überlagerungen unterschiedlicher Zeitebenen und geografischer Kontexte.



Eine Dauerinstallation im Eingangsbereich eröffnet den thematischen Einstieg und schlägt Brücken ins Jetzt. Sie thematisiert anhand zweier künstlerischer Auseinandersetzungen zeitgenössische Phänomene in Arbeitswelten während des Corona-Lockdowns im Frühling 2020. Abeer Gupta arbeitet für Walking Away mit Bildmaterial aus sozialen Medien; es zeigt indische Wanderarbeiter*innen auf ihrer Flucht aus den Metropolen und gleichzeitig auf der Flucht vor dem System, der Fiktion von Infrastruktur und den Symbolen einer Nation. Momentography of a failure, ein kooperatives Fotografie- und Forschungsprojekt, befasst sich mit Arbeiter*innen aus der Gig-Ökonomie im Transport- und Lieferwesen in den Straßen Kölns. Entstanden in einem Workshop mit Fotograf*innen, Stadtforscher*innen, Aktivist*innen von Liefern am Limit, Autor*innen und Lieferant*innen, illustriert es den aktuellen Umschwung von der Industrie- zur digitalen Plattformwirtschaft. Dieser Kurswechsel hat beispiellose Kontroversen ausgelöst und neue Formen der Prekarität hervorgebracht, sowohl für befristet Beschäftigte wie auch für Dynamiken in den Städten. Beide Werke beschäftigen sich mit Mobilität und Verletzlichkeit, mit städtischen Räumen und urbaner Infrastruktur, mit der Sichtbarkeit und Fluidität von Bildern.



Für Schicht 1 Geister geht die queere Performancekünstlerin und Aktivistin Kathrin Ebmeier zusammen mit der Historikerin Alicia Gorney und der Künstlerin Ale Bachlechner der Geschichte der Fraueninitiative Henrichshütte nach: 1987 versammelte sich diese in der Stadt Hattingen in Gespensterkostümen im Protest gegen die Schließung des lokalen Stahlwerks. Frauen unterschiedlicher Generationen fragen, was bleibt, was sie überhaupt miteinander zu tun haben und suchen nach Wegen, wie aus Arbeitskämpfen der Vergangenheit gelernt werden kann.



Die Schicht 2 Spuren widmet sich türkischsprachigen Literat*innen, die in Köln und dem Ruhrgebiet tätig waren und befragt deren Erinnerung in unserer postmigrantischen Gegenwart. Literatur-, Kulturwissenschaftlerin und Autorin Nesrin Tanç kartiert hierfür mit Illustratorin Irem Kurt Texte und Materialien, die sie jenseits offizieller Archivstrukturen zusammengetragen hat. Als Literaturwissenschaftlerin schlägt sie die begriffliche Neuschöpfung ‚Anatolpolitan‘ vor und bringt die vorgestellten Literat*innen unter diesem Begriff zusammen.



Schicht 3 Echos widmet sich einer künstlerischen Auseinandersetzung mit der Geschichte Fasia Jansens. Als Musikerin und politische Aktivistin begleitete Jansen zahlreiche Arbeitskämpfe der 1970er- bis 1990er-Jahre. Die Künstlerin Aline Benecke studierte mit dem neu gegründeten Fasia Jansen Ensemble einige ihrer Lieder erneut ein. Anliegen war es, sich zu Fasia Jansen in Beziehung zu setzen und die Stücke in einem mehrheitlich Schwarz positionierten Chor wieder zur Aufführung zu bringen.

Die Idee des Palimpsests bildet sich auch in der Raumgestaltung ab: Dinge kommen hinzu, anderes verschwindet. Die Dauerinstallation führt aus dem Hier und Jetzt zu den historischen Recherchen im Ruhrgebiet. Im Miniatur-Kinoraum läuft ein von Madhusree Dutta kuratiertes Filmprogramm. Es umfasst eine Vielzahl von Narrativen zum Thema Arbeit aus verschiedensten Orten, Genres und Zeiten und spannt einen Bogen über 125 Jahre Filmgeschichte.

Wir freuen uns, Sie bald als Besucher*in der Ausstellung Geister, Spuren, Echos: Arbeiten in Schichten begrüßen zu dürfen. Bitte beachten Sie, dass zu Ihrem, unserem und dem Schutz anderer Besucher*innen die Einhaltung der allgemeinen Hygieneregeln und insbesondere das Tragen einer medizinischen Mund- und Nasenmaske bei einem Besuch verbindlich sind. Bei Fragen können Sie uns unter presse@adkdw.org kontaktieren.

In Kooperation mit RVR/Interkultur Ruhr und dem LWL-Industriemuseum – Westfälisches Landesmuseum für Industriekultur.