Symposium

• Sa 23 – So 24 04 2016 •
Nordafrikanische Männer, deutsche Frauen. Zweitägiges Symposium zu sexueller Gewalt und Rassismus

19:00

Mit NORA AMIN, KÜBRA GÜMÜŞAY, ANNE WIZOREK, moderiert von JASMIN KHATAMI*

Ort: ACADEMYSPACE, Herwarthstraße 3, 50672 Köln
Freier Eintritt
Die Vorträge und Gespräche am 23 4 finden in englischer Sprache statt

Der Ausbruch sexualisierter Gewalt am Kölner Hauptbahnhof in der Silvesternacht ist das Echo eines fernen, vom Westen weitgehend ignorierten, aber gewaltigen Sturms – eines Sturms noch viel schrecklicherer Gewalt, der Frauen an anderen Orten der Welt, weit im Osten oder Süden, Tag für Tag ausgesetzt sind. Aus westlicher Sicht sind das irgendwelche Randgebiete, arm und unbedeutend ‒ oder, je nach Laune, sinnenfreudig und verlockend. Nach den Ereignissen der Silvesternacht und ihrer Resonanz in den Medien ist es wichtig, sowohl orientalistische Phantasmen als auch die durch dieses Ereignis ausgelöste tatsächliche Diskriminierung und die dadurch ins öffentliche Bewusstsein gelangten Gegebenheiten zu diskutieren und ihnen entgegenzuwirken. Wie weit verbreitet ist weniger öffentliche sexuelle Gewalt im europäischen Alltag? Was bedeutet kollektive sexuelle Gewalt im Nahen Osten, welche Rolle spielte sie in der Folgezeit des Arabischen Frühlings und in den Reaktionen auf denselben? Welche sozialen Verhältnisse legt der Gewaltausbruch an Silvester offen? Was führt zur Sexualisierung von Machtverhältnissen zwischen dominanten und benachteiligten Gruppen? Und wie nimmt man Stellung gegen Sexismus und Rassismus?

Nora Amin ist Literatin, Tänzerin und Regisseurin. Nach ihrem Französisch- und Komparatistikstudium war sie neun Jahre lang Assistentin an der Kairoer Akademie der Künste. Sie gründete die Performancegruppe La Musica, initiierte ein Theaterfestival und ist Gründungsmitglied der Modern Dance Company an der Oper Kairo. 2004 war sie Samuel Fischer-Gastprofessorin an der FU Berlin. 2015 war sie Fellow der Akademie der Künste der Welt. Sie verfasste Dramen, Kurzgeschichten und mehrere Romane. Zuletzt erschien ihr Essay Migrating the Feminine (60pages, MiCT, 2016) zur Rolle des weiblichen Körpers im öffentlichen Raum am Beispiel der gewaltsamen Geschehnisse auf dem Tahrir-Platz. Amin lebt in Kairo.

Kübra Gümüşay ist Journalistin, Bloggerin und Referentin. Als freie Autorin schreibt sie für Die Zeit, Zeit Campus, die taz und andere Medien. Sie referiert zu den Themen Politik, Islam, Rassismus, Feminismus und Social Media an Universitäten, auf Konferenzen und in Presse, Radio und TV. Zudem arbeitet sie als Social-Media-Beraterin an der Saïd Business School der University of Oxford. Aktuell ist sie Botschafterin gegen Rassismus der Antidiskriminierungsstelle des Bundes. Ihr Blog Ein Fremdwörterbuch wurde 2011 für den Grimme Online Award nominiert. Sie lebt zurzeit in Oxford, Großbritannien.

Anne Wizorek ist Medienberaterin und Autorin, deren Twitter-Aktion #aufschrei 2013 für Aufsehen sorgte und im selben Jahr mit dem Grimme Online Award ausgezeichnet wurde. 2011 war sie unter den Organisatoren von re:publica. Nach den sexuellen Übergriffen in der Silvesternacht 2015/16 initiierte sie den neuen Hashtag #ausnahmslos gegen Sexismus und Rassismus. In gedruckter Form erschien von ihr Weil ein #aufschrei nicht reicht (Fischer, 2014). 2015 wurde sie von der Antidiskriminierungsstelle des Bundes als Botschafterin des Themenjahres gegen Geschlechterdiskriminierung berufen. Wizorek lebt in Berlin.

*(Die ursprünglich angekündigte Teilnahme von Noah Sow entfällt.)