Gespräch

• Sa 21 05 2016 •
Sprich nicht für mich!

17:00
Ort: ACADEMYSPACE, Herwarthstraße 3, 50672 Köln
Freier Eintritt
In deutscher und englischer Sprache

Diese Veranstaltung ist Teil der Aktionswoche „Kultur öffnet Welten“ – einer gemeinsamen Initiative von Bund, Ländern und Kommunen, künstlerischen Dachverbänden und AkteurInnen aus der Zivilgesellschaft, kultur-oeffnet-welten.de

In den Medien wird die Reaktion der deutschen Öffentlichkeit auf die jüngsten Migrationsbewegungen in Europa oft nur schwarz-weiß dargestellt: als Showdown zwischen rechtsextremem Terror und den Vertretern der Toleranz. Doch die Realität ist wesentlich komplexer. Klassische Mechanismen der Diskriminierung sind selbst unter Antirassisten am Werk, wenn People of Color und Migranten zwar verteidigt, aber ausgeschlossen werden und wenn man für sie spricht, sie aber nicht selbst sprechen lässt. Die wertvollsten Beiträge zum öffentlichen Diskurs liefern diejenigen, die Migration und Integration selbst erfahren haben und die derzeitige Polarisierung zwischen nicht-europäischen Neuankömmlingen und weißer Mehrheit als Folge von strukturellem Rassismus erkennen. Warum werden diese Positionen vom Mainstream nicht berücksichtigt? Welche Perspektiven gibt es für antirassistisches Engagement jenseits eines homogenen, nationalen Selbstverständnisses? ELIZABETH NGARI, REX OSA, BAHAREH SHARIFI und SINTHUJAN VARATHARAJAH sprechen in einer offenen Diskussion darüber, wie man dem Monopol eines homogenen, nationalen Selbstverständnisses unter den heute immer schwieriger werdenden Bedingungen entgegenwirken kann.

Elizabeth Ngari kam 1996 aus Kenia nach Deutschland. Durch ihre Erfahrungen in Erstaufnahmelagern, Behörden und den Bedingungen in Unterkünften für Geflüchtete, die für Frauen und Kinder noch unerträglicher waren, entschied sie politisch aktiv zu werden. Vor 14 Jahren gründete sie Women in Exile, eine Organisation, die sich den Wünschen und Sorgen geflüchteter Frauen annahm. Denn, so Ngari, in den gemischten Flüchtlingsgruppen in Brandenburg stießen Frauen oft auf Widerstand, wenn sie versuchten, diese Dinge zu thematisieren. Seit 2011 heißt der Verein Women in Exile & Friends und arbeitet Aktivistinnen ohne Fluchthintergrund zusammen. Sie fordern die bedingungslose Abschaffung aller Lager für Flüchtlingsfrauen und ihre Kinder und damit auch, dass das Gewaltschutzgesetz, was derzeit nur für deutsche Frauen gilt, auf geflüchtete Frauen und ihre Kinder ausgeweitet wird.

Rex Osa kam 2005 aus Nigeria nach Deutschland und beantragte politisches Asyl. In der darauffolgenden ständigen Auseinandersetzung mit den Flüchtlingsbehörden nahm er diese als „eine Maschinerie aus Kontrolle und Diskriminierung“ wahr. Dies veranlasste ihn dazu, sich bei der Flüchtlingsselbstorganisation The Voice zu engagieren. Hier initiierte er maßgeblich die Break Isolation-Kampagne, die die Zustände in den Unterkünften für Geflüchtete einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machte. Rex Osa spricht national und international auf öffentlichen Veranstaltung zu den Themen Flucht, Fluchtursachen und Selbstorganisation von Geflüchteten.

Bahareh Sharifi arbeitet als freie Kuratorin und Aktivistin zu den Themen Diskriminierungskritik, Intersektionalität und Allianzen, unter anderem für das Maxim Gorki Theater, die Heinrich-Böll-Stiftung, das Deutsche Hygiene-Museum in Dresden und beim Festiwalla 2014 im Haus der Kulturen der Welt. Im Herbst 2015 organisierte sie an der Universität der Künste Berlin eine Konferenz zu Strategien für eine diskriminierungskritische Kulturpraxis in Berlin. Derzeit arbeitet sie für die Kulturprojekte Berlin als Kuratorin beim Festival Interventionen – Refugees in Arts and Education. Sie ist Mitglied beim Bündnis kritischer Kulturpraktiker_innen.

Sinthujan Varatharajah hat Soziologie und Politikwissenschaften an der London School of Economics studiert. Zurzeit ist er Doktorand in politischer Geografie am University College London und forscht zum Thema „Räume des Asyls“. Er arbeitet als Projektkoordinator bei Flüchtlinge Willkommen und ist Gründer des Erzählprojekts Roots of Diaspora, das Fluchterfahrungen der Eelam-Tamilen aufarbeitet und dokumentiert. Seine Themenschwerpunkte liegen in den Bereichen Asylpolitik, Rassismusforschung, Critical Whiteness, Kastenforschung und Geografie der Macht.